Eine Tora-Rolle wird geschrieben – Die Uni Jena lädt am Mittwoch, 30.06. in den Großen Rosensaal ein.

Die Tora besteht aus den fünf Büchern Mose. Sie ist Teil der hebräischen Bibel und des Alten Testaments und daher „gemeinsame Grundlage von Judentum und Christentum“, sagt Prof. Dr. Christopher Spehr von der Universität Jena. Eine neue Tora-Rolle wird am Mittwoch (30.06.) von 16.00 bis 17.45 Uhr an der Friedrich-Schiller-Universität Jena geschrieben. Interessierte sind herzlich in den Großen Rosensaal (Fürstengraben 27) eingeladen, an diesem ehrenvollen Akt teilzunehmen. Das Schreiben einer neuen Tora-Rolle wird wahrscheinlich in den nächsten 100 Jahren nicht noch einmal zu erleben sein, so die Veranstalter, die Arbeitsgemeinschaft „Tora ist Leben“ und die Theologischen Fakultät der Universität Jena.

Kleine Geste der Versöhnung

„Wir machen uns für den christlich-jüdischen Dialog stark“, sagt der Dekan der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Christopher Spehr, und verweist auf die bisherigen und noch kommenden Aktivitäten von Universität und Fakultät zum Themenjahr „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“. Man wolle mit der Unterstützung dieser Aktion „auch einen weiteren Gegenakzent setzen gegen die unheilvolle Geschichte der Jenaer Universität in der Zeit des Nationalsozialismus.“ Damals wirkten nicht zuletzt Professoren der Theologischen Fakultät in rassistisch-antisemitischer Weise und beteiligten sich aktiv am Eisenacher „Entjudungsinstitut“ vor 80 Jahren. Daher wertet Spehr das Tora-Schreiben in den Räumen der Universität als „kleine Geste der Versöhnung“ – die sich auch in die umfassenden Aktivitäten der Versöhnungsforschung an der Theologischen Fakultät einreihe.

Einladung zur öffentlichen Veranstaltung

Geschrieben wird die Tora-Rolle vom Rabbiner und Sofer (=Schreiber) Reuven Yaacobov mit Feder und Tinte in hebräischer Sprache auf handgefertigtem Pergament aus der Haut koscherer („reiner“) Tiere. Fehler darf der Sofer aber nicht machen, sonst muss er von vorne anfangen. Die interessierten Gäste können dem Rabbiner nicht nur beim konzentrierten Schreiben zusehen, sondern auch mit ihm ins Gespräch kommen. Und wer sich selber in hebräischer Kalligraphie versuchen möchte, bekommt dazu die Gelegenheit unter Anleitung von Experten aus Universität und Arbeitsgemeinschaft.

Interessierte können ohne Anmeldung teilnehmen, müssen aber die Hygienevorschriften der Universität – v. a. das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung – beachten.

„Tora ist Leben” ist ein gemeinsames Projekt der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, des Bistums Erfurt und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands.

Der Rabbiner und Sofer Reuven Yaacobov schreibt die Tora-Rolle. (Foto: Alice End)
Der Rabbiner und Sofer Reuven Yaacobov schreibt die Tora-Rolle.
(Foto: Alice End)

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